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Aktuell Technik 06.12.2018     Verfasser: Annette Bammert

Wissen to go für die Industrie 4.0 – AR-Technologien auf dem Vormarsch

Augmented Reality Technologien bereichern bereits an vielen Ecken und Enden Produktions- wie auch Entwicklungsprozesse. Konzerne wie Toyota, Audi, Bosch und BMW nutzen AR- und VR-Anwendungen inzwischen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Einen Mehrwert gibt es nicht nur an der Fertigungslinie. Das MinebeaMitsumi Tochterunternehmen Minebea Intec nutzt mit „miRemote“ eine AR-Anwendung im Kundensupport.

Was, wenn jeder ein Experte wäre? Diese Frage bringt den Ansatz hinter vielen der in der Industrie genutzten AR-Technologien gut auf den Punkt. Sei es in der Entwicklung, in der Produktion, in der Wartung oder im Kundenservice – in allen Bereichen ist es durch AR-Anwendungen möglich, erforderliches Fachwissen oder nötige Informationen standortunabhängig und in Echtzeit abzuholen. Auf dem Weg zur Factory 4.0 werden AR- und VR-Konzepte maßgeblich beteiligt sein, denn sie vernetzen global Experten und Anwender und digitalisieren, meist cloudbasiert, wertvolles Know-how.

AR an der Fertigungslinie

Für mehr Transparenz in den immer komplexer werdenden Fertigungsprozessen vieler Unternehmen kann der Produktionssupport mithilfe von Datenbrillen sorgen. Dank AR lässt sich beispielsweise ein digitales Abbild von Fertigungslinien mit integriertem Fehlerdisplay schaffen. Gerade in Zeiten, in denen Fachkräfte knapp sind, müssen Experten und Techniker bei Problemen in der Produktionsstätte nicht mehr umständlich eingeflogen werden, was stets zeit- und kostenintensiv ist. Schnelles Handeln kann durch Videokommunikation in Echtzeit völlig ortsunabhängig erfolgen. Die meisten Systeme am Markt ermöglichen Livebild-Screenshots, in denen entsprechende Bauteile und zu betätigende Schritte durch den Experten hervorgehoben und detailliert erklärt werden können. Der Techniker schaut dem Mitarbeiter an der Maschine gewissermaßen direkt über die Schulter und kann ihn mit Anleitungen und seinem Fachwissen unmittelbar unterstützen. Auch Videostreaming über QR-Codes an den entsprechenden Maschinen ist realisierbar, wodurch Stillstandzeiten verkürzt und Produktionsausfälle reduziert werden können. Videos werden dabei direkt im Sichtfeld der Mitarbeiter wiedergegeben.

Der nächste Schritt ist logischerweise die minutiöse Dokumentation der Ausfälle und die Aufzeichnung deren Ursachen. Lassen sich Muster erkennen, sind wir ganz nah dran am Ideal „Predictive Maintenance“. Im  Kundenaudit könnten Unternehmen mit diesen automatisierten Dokumentationsprozessen definitiv punkten.

Derzeit prüft das MinebeaMitsumi Tochterunternehmen PM DM für die europäische Produktionsstätte in Košice in der Slowakei die Optionen, um in Zukunft noch flexibler am europäischen Markt agieren zu können. In der Slowakei werden Antriebssysteme überwiegend für den Automobilbereich in hohen Stückzahlen produziert.

AR im Kundensupport

Immer häufiger wenden sich die AR-Konzepte auch direkt an den Endkunden. Automobilhersteller ermöglichen erweiterte Fahrzeugansichten und stellen technische Daten in AR-Form zur Verfügung. Auch Minebea Intec nutzt die Vorteile für eine innovative Servicelösung. Mit „miRemote“ gibt das Unternehmen seinen Kunden ein agiles und sehr vielseitiges Tool an die Hand, das standortunabhängig direkten Zugriff auf Serviceleistungen bietet. Minebea Intec ist ein führender Anbieter für Wäge- und Inspektionslösungen und macht damit den Kundensupport nun weltweit nutzbar. „Das Servicetool miRemote basiert auf von XMReality entwickelter Augmented Reality Technologie“, erläutert Michael Tappe, Global Service Manager bei Minebea Intec, „das intuitive Tool hilft, Störungen zu identifizieren und somit zu vermeiden, zu reduzieren und gleichzeitig die technische Verfügbarkeit von Anlagen und Geräten zu erhöhen. Somit wird es Teil einer konsequenten Präventionsstrategie. Der Servicetechniker kann von seinem Standort aus Prozessschritte begleiten und Hilfestellungen geben, zum Beispiel per Fingerzeig oder durch visualisierte Bewegungsabläufe“. Von der Bedienungskorrektur über die Fehleranalyse bis zur schnellen Identifikation des richtigen Ersatzteils sind alle Funktionen darauf ausgelegt, den Anwender in seiner Arbeit zu unterstützen und etwaige Stillstandzeiten effizient zu reduzieren. „Schließlich ist an den Produktionslinien beispielsweise der Lebensmittel- oder Chemieproduktion nichts so kostbar wie Produktionszeit.“ erklärt Michael Tappe. „Wir rechnen mit deutlichen Kosten-Einsparungen für unsere Kunden“. Im Minebea Intec Service-Center sieht der Techniker genau das, was durch die aktuelle Smartphone- oder Tablet- Kamera des Kunden erfasst wird, kann Bedienfehler oder Fehlermeldungen diagnostizieren und konkrete Hilfestellungen geben. Dabei helfen eine Vielzahl innovativer Features wie zum Beispiel Hands-Overlay, Finger-Pointing sowie ergänzende Sprach- und Textkommunikation. Zusätzlich kann der der Techniker Dokumente zeigen und für eine spätere Bewertung auch Videos aufzeichnen. Die intuitive, benutzerfreundliche App wird gehostet von dem Minebea Intec Partner-Unternehmen XMReality und ist auf die meisten mobilen Endgeräte downloadbar. Alle gängigen Betriebssysteme wie Windows 10 64-bit, Android ab 5.1 oder IOS ab 9.0 unterstützen das System.